radio satt # 1: Luise Boege

Heute ging die erste Folge von radio satt online, die Luise Boege und ihrem Roman Kaspers Freundin gewidmet ist.
radio satt bringt Lesungen und Gespräche zur Literatur.
Die erste Wolke enthält eine 20-minütige Lesung, gefolgt von einem 10-minütigen Gespräch.
Die zweite Wolke beginnt wiederum mit einer Lesung, diesmal nur 10 Minuten, danach 20 Minuten Gespräch.
Die dritte Wolke bietet wieder eine Lesung, ca. 15 Minuten.
Daneben im Anflug, aber noch in der Warteschleife, eine ausführliche Würdigung des Romans bei indiebook.de.

radio satt # 1: Luise Boege

PS. [10.7.2015]: Die angekündigte Kritik ist nun online, siehe hier.

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Mara Genschel Material

Mara Genschel Material

„Dieses Buch gibt einen Einblick in das Gattungsgrenzen hinterfragende Werk Mara Genschels. Zwar kennt und nutzt sie Verfahren der bildenden Kunst und der zeitgenössischen Musik. Dennoch wird dabei der Kernbereich der Literatur nicht verlassen. Ihr Werk kann darüber hinaus als ein Modellfall betrachtet werden, wie von Lesern mit ästhetischen Herausforderungen umgegangen wird. Verständnishürden, so erweist sich hier, müssen nicht unbedingt in der Struktur eines Artefaktes liegen. Hürden können auch durch die hergebrachten Gepflogenheiten unseres öffentlichen Umgangs damit erst erzeugt werden.”
(Text: Bertram Reinecke / Reinecke & Voß)

Auszug aus meinem Beitrag, mit Interpretationen zu den Texten „ERHABENES für G. Falkner”, „GEEST” und „KIRCHENBÄNKE usw.”:

In dem Text „KIRCHENBÄNKE usw.“ greift Genschel das Erhabenheitsthema scheinbar wieder auf. Nicht der profane Raum eines Museums, sondern der sakrale Kirchenraum bildet seinen (imaginären) architektonischen und situativen Rahmen. Anstelle des ‚eigentlichen‘ Wortes „Kirche“ steht aber, als Synekdoche, „Kirchenbänke“. Das sprachliche Material des Textes erschöpft sich, außerhalb seiner Überschrift, in den Wörtern „vorn“ und „hinten“, die sich über die Länge des Textes (4 Seiten) regelmäßig, durch Querstriche voneinander getrennt, abwechseln. Die Zeichenverwendung scheint Ordnung und Brüche zugleich zu bieten, und sie lässt auch an die Notation von Zeilensprüngen bei Gedichtabschriften bzw. -zitaten denken, die ebenfalls durch Querstriche markiert werden. Genschel belässt es aber nicht bei dem nackten, in den Kirchenraum (auf das weiße Blatt) transponierten Binärcode, sondern putzt ihn mit Anführungszeichen und runden Klammern heraus. Diese sind den Wörtern übergestülpt wie Würfelbecher beim Hütchenspiel, geeignet, die Sinne des Betrachters zu verwirren. […] Auf Mitte der vorletzten Seite, in Höhe der Klebestreifen in „ERHABENES“, wie eine Weihrauchwolke oder wie das Kruzifix über dem Altar, ein eingeklebter Fremdtext in abweichender Schriftgröße und Typographie […].

Zum Weiterlesen: Auf den Seiten der Lyrikzeitung & Poetry News wird ausführlich aus dem im Band enthaltenen Essay Bertram Reineckes zitiert: „Pöbel mal, Lyriker!”

Bertram Reinecke (Hg.), Mara Genschel Material. Auseinandersetzungen mit dem Werk der Dichterin von Luise Boege, Ann Cotten, Michael Gratz, Martin Schüttler und Meinolf Reul
+ Dokumentationsteil mit teilweise unveröffentlichten Arbeitsproben von Mara Genschel.
100 Seiten, broschiert. 24 x 18 cm. Reinecke & Voß, Leipzig 2015. 12,00 Euro
– erscheint am 18. März

Bestellungen über jede Buchhandlung oder beim Verlag (info@reinecke-voss.de).