Kodierung

„LE MAÎTRE” ist gleichlautend mit „le mètre” (Metrum, Versmaß), wie Quentin Meillassoux in seiner literaturdetektivischen Arbeit Die Zahl und die Sirene schreibt (die ich noch nicht kenne).
An die Stelle des bisherigen Ordnungsprinzips – des Alexandriners – tritt ein anderes, das aber mit gleichem ‚mathematischen‘ Anspruch auftritt und vielleicht, vielleicht aber auch nicht, mit dem freien Vers identisch ist.
Schon bei oberflächlicher Mallarmé-Lektüre wird übrigens die Bedeutung der Farbe Weiß deutlich,
die z. B. auch in Gestalt eines Schwans auftreten kann. Hier wäre dann zugleich ein weiteres Beispiel für die Doppelt- oder Mehrfachbelichtung, die der Dichter den Wörtern angedeihen lässt, denn „cygne[s]”, das Tier bzw. seine buchstäbliche und lautliche Entsprechung, ist homophon zu „signe[s]”, was „Zeichen” bedeutet und sich im fraglichen Gedicht – „Les Fenêtres” (1863) – auf „ligne[s]” („Linie[n]”) reimt.

Wenn aber die Zeichen weiß (leer) sind, sind sie dann überhaupt noch Zeichen? Heben sie sich nicht selber auf? Sind sie dann weiterhin etwas Zeigendes, Bedeutendes, das über ihre reine Kontur (ihre Zeichnung auf dem Papier) hinauswiese?