Ein Stück Pelz (Denkmuff)

Es gibt immer mal wieder Missverständnisse um den Namen meines Blogs. Exemplarisch dafür die Mitteilung einer Freundin:

„Ich fand […] den Namen ‚Denkmuff’, auf den ich bei einer Netzsuche zufällig stieß, nicht
sehr attraktiv. Denn ‚denken’ ist für mich absolut positiv konnotiert (Kant lässt grüßen), wogegen ‚Muff’ bei mir nur negative Assoziationen weckt. Entweder man denkt (oder versucht es jedenfalls) und das ist IMMER positiv, oder man hat Muff im Kopf und das ist immer negativ. Denkmuff hört sich für mich so an wie sprudelnd-stinkend-Wasser, also etwas was es gar nicht gibt oder geben dürfte, ein sozusagen unnatürlicher Begriff.”

„Muff” bezieht sich auf das Kleidungsstück zum Wärmen der Hände. Der Begriff „Denkmuff” leitet sich von einer Bemerkung Henri Michaux‘ her, die wie folgt lautet:

„Ein Satz ist der Übergang von einem Denkpunkt zu einem anderen Denkpunkt. Der Übergang steckt in einem Denkmuff.
Da der Muff des Schriftstellers nicht bekannt ist, wird dieser nach seinen Übergängen beurteilt. Bald gilt er als viel dümmer und unvollständiger als seine Zeitgenossen. Man übersieht, daß er aus seinem Muff ganz andere Sätze und sogar das Gegenteil des Gesagten hervorholen kann.”

Ich stelle mir (für mein Blog) so etwas wie einen Zauberhut vor, aus dem ich mal dies, mal das hervorziehe. Hoffentlich ist es immer lebendig und unterhält.

Die genaue Quellenangabe:
Henri Michaux, Ecuador. Reisetagebuch. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. 164 Seiten, Broschur. Literaturverlag Droschl, Graz 1994, S. 32-33.

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Ein Kommentar zu “Ein Stück Pelz (Denkmuff)

  1. Meine Uroma besaß einen Muff aus Kaninchenfell, der jahrelang unbenutzt in ihrem Schrank schlummerte. Für uns Kinder was dieses Etwas mehr Noch-Tier als Schon-Kleidungsstück; die Hände bis über die Handgelenke in dem Etwas-Bauch verschwinden zu lassen, gehörte zu unseren Mutproben (Härtegrad: entsprechend FSK-12-Filmen). Ich kann gut nachvollziehen, dass Du eine gedankliche Verbindung zwischen Muff und Zauberhut schlägst: Alte Zauberer, die Kaninchen aus Hüten zogen, kannten wir aus dem Zirkus – wir zogen aus einem alten Kaninchen viel Zirkus und Zauber. Deinen Blog-Namen fand ich, womöglich also wegen meiner gedanklichen Vertwistung zwischen dem Blog und dem alten Kaninchen, eigentlich immer sympathisch. Ich war übrigens ein mutiges Mädchen, manchmal. Gruß, Sonja

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