Zwitscherrede

Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass ich viel Rad fahre, jedenfalls habe ich zum Geburtstag viele Brennwerte geschenkt bekommen: Schokoladen, Konfitüren, Honige, Kekse, mit Nonpareilles bepfefferten Kuchen, daneben Kaffee und Zigarillos, die ich jetzt, jeden Tag einen, auf der Terrasse rauche, dabei auf das polyrhythmische Singen und Zwitschern der Vögel lauschend, die Schichtung und Staffelung des Vogelgesangs, auch auf ihre vielfältigen Flugbewegungen achtend, das Schwirren, Flattern, Sausen, das Landen und Auffliegen, die Luftwirbelsekunden, ihr „phüh”. Es ist auch witzig, was die Vögel veranstalten (von den turnerischen Eichhörnchen ganz zu schweigen), sie bringen mich zum Lachen.
Ich glaube, auch bei den Vögeln gibt’s die, die wenig sagen, und die Redelustigen, und die, die was erlebt haben, das sie unbedingt weitererzählen müssen, die Ermahnenden und die Nichternstnehmenden, die Weisen und die Grünschnäbel. Wahrscheinlich wird auch viel getratscht, hinter vorgehaltenem Flügel oder frei heraus.
Wenn ich in die Stadt fahre oder durch den Bannwald spaziere (was ich hin und wieder tu), rollt sich das Gezwitscher und Singen wie eine langsam-stetig abgekurbelte Tonspur links und rechts von mir ab. – Es gibt natürlich daneben auch städtische Geräusche, Surren, Brummen, Klappen, Schellen, die aber überhaupt nicht stören. Sie sind das Zitronat im Berliner Kuchen.

Gestern ging auf der Bundesallee die Kette ab, sie sitzt gerade ein bisschen locker. Ein bärtiger junger Mensch mit Kopftuch kam herbeigeradelt und fragte sorglich, dabei eine höfliche Distanz einhaltend, ob er mir helfen könne. Ich verneinte dankend und lupfte die Kette auf das kleine Zahnrad, kam aber dann bei dem großen nicht weiter und hob meinen Kopf in die Richtung, aus der er wartete. Er ruckelte an der Kette, bewegte das Pedal und – er war für alle Malheurs gerüstet – reichte mir zuletzt einen cremeweißen Lappen, an dem ich mir meine fettverschmierten Finger abwischte. Nachdem er mir noch einen Schleichweg zum Teltowkanal verraten hatte (irgendwas mit Moskau oder Moskauer) und mir anriet, vorsichtig zu treten, setzte er sich wieder auf sein Fahrrad und strebte davon. Er war grün gekleidet, irgendwie försterlich, und strahlte eine absolute Friedfertigkeit aus.
Nach diesem Abenteuer kam ich etwas matt zu Hause an. Ich legte mich aufs Bett. Es krachte zusammen (so als müsse es zusammenkrachen, wenn schon die Kette abgegangen war), aber nur links. Ich war zu müde für Reparaturen. Auf der Wandseite lag ich wie in einer Hängematte. Heute klopfte ich es wieder zusammen.

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