William N. Copley, Portrait des Künstlers als junger Händler

Copley

„Ich hatte einen Freund in New York, der Direktor war, mit einem Büro einige Stockwerke unter der Erde. Er dachte, ich könne Magritte dazu bringen, ihm dort ein Fenster zu malen. Magritte schlug ein Fenster mit Blick auf eine Ziegelmauer vor.”

Launig geschriebene Erinnerungen des US-amerikanischen Künstlers und Kunstsammlers William N. Copley (1919-1996) an seine Anfänge als Direktor der Copley Galleries in Beverly Hills 1947/48, die nach einjähriger Tätigkeit – und Ausstellungen mit René Magritte, Joseph Cornell, Roberto Matta, Yves Tanguy, Man Ray und Max Ernst – wieder schließen musste („Es wollte einfach niemand unsere Kuchen kaufen”). Copley erzählt anekdotenreich von ’seinen‘ Künstlern und weiteren großen Geistern, die seinen Weg kreuzten oder begleiteten: Marcel Duchamp, Alexander Calder, Igor Strawinsky.

Der Kunstmarkt, wie Copley ihn erlebte, ist längst verschwunden. Dass ein Anfänger anlässlich einer Max Ernst-Retrospektive aus aller Welt Kunstwerke geliehen bekommt („Wir waren niemals auf den Gedanken gekommen, dass jemand ablehnen könnte und komischerweise tat dies auch niemand”) – heute undenkbar. Copley ist ein typischer Vertreter des nordamerikanischen Unternehmertums: nicht lange fackeln, sondern frisch hinaus aufs Meer!

Die Ernst-Retrospektive floppte, wie auch die übrigen Ausstellungen, doch wieder hat Copley eine schöne Anekdote parat. In die Ernst-Ausstellung kam eines Tages ein vielleicht 9-jähriger Junge hineinspaziert (war es derselbe, der Copley und seinem Schwager & Compagnon einen zahmen Kakadu verkauft hatte?), der sich aufmerksam die Bilder ansah. Am nächsten Tag brachte er einen Freund mit.

„Dann waren plötzlich vier von ihnen da. Ihre Zahl schien sich jeden Tag zu verdoppeln. Sie lachten nicht und tollten auch nicht herum. Sie schauten ruhig, ernsthaft, und restlos beeindruckt von der Vorstellungswelt Max Ernsts. Es war wie eine Miniaturversion des Erfolgs, von dem wir geträumt hatten.”

Copleys Text erschien erstmals 1977 in französischer Übersetzung im Katalog Paris – New York (Centre Pompidou).

  • William N. Copley, Portrait des Künstlers als junger Händler. Aus dem Englischen (USA) von Kay Heymer. Mit einem Epilog von Johannes Gachnang. 84 Seiten mit 12 s/w-Abbildungen, broschiert. Verlag Gachnang & Springer, Bern – Berlin 1998 (2. Auflage). 12,00 Euro – vergriffen

[Wiederveröffentlichung eines zuerst 2011 erschienenen Beitrags.]

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