Wespenverse

Es ist zwar noch was hin bis September, der für mich ein Wespenmonat ist (ob zu Recht oder Unrecht), aber hier habe ich bei Bonnefoy – er ist einer der Leute, mit denen ich mich ausdauernd beschäftigen kann – sehr schöne Verse gefunden, die dieses Tierchen ehren. Es kommt mir so vor, als würden die Worte die Wespe für alle Zeiten aufbewahren, so wie vielleicht eine gemalte Wespe (ein gemalter Hund, eine gemalte Katze, ein gemalter Affe usw.) auf irgendeinem Gemälde des 16. oder 17. Jahrhunderts aufbewahrt ist. Ausdruck eines Augenblicks, aber ein für alle Mal gültig.

[…] Au crépuscule
La guêpe se couronne de lumière,
Elle règne absolue dans son instant
D’ascension tâtonnante sur la grappe.
Non, nous ne sommes pas guéris du jardin,
[…]

„Ascension” ist Aufstieg, Bergbesteigung, Aufsteigen (Flüssigkeit), Anstieg (Temperatur), Aufgang (Astronomie) und, in Großschreibung, auch Himmelfahrt, aber die Wendung „faire l’ascension de quelque chose” / „etwas besteigen, etwas erklettern” kann diese verschiedenen Bedeutungen außer acht lassen.
Reizvoll ist die Verbindung des Dynamik, Kraft und Kühnheit ausstrahlenden Substantivs mit dem Eigenschaftswort „tastend”. Das ergibt, scheint mir, eine treffende Beschreibung von Wesen und Fortbewegungsart der Wespe.
Der Kontrast ist ähnlich im voraufgehenden Vers: absolute Herrschaft – einen Augenblick lang.

In der Übersetzung von Friedhelm Kemp:

[…] Wenn es dämmert,
krönt sich die Wespe mit Licht,
sie herrscht allmächtig in ihrem Augenblick
des tastenden Kletterns auf der Traube.
Nein, wir sind nicht von dem Garten geheilt,
[…]

Der Garten ist wohl der Garten Eden. Aber warum „geheilt”? Vielleicht ist ein Phantomschmerz gemeint, der nicht weggeht.

Die Zitate sind dem Band Im Trug der Schwelle entnommen, der 1984 erschienenen deutschen Buchausgabe des im Original 1975 erschienenen vierten Gedichtbands Bonnefoys, Dans le leurre du seuil.

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20 Kommentare zu “Wespenverse

  1. Sehr schön und inspirierend zugleich. Mir ist aufgefallen, dass das lyrische Ich über den Sehsinn Zugang zur Wespe erhält, während diese tastend sich voranbewegt. Wurde er/sie im Garten gestochen? Grappin heißt doch auch „grapschen“, oder? (Im Englischen: to grope) Was ihm schmerzhaft in Erinnerung ist, als er einem Instinkt folgend die verführerischen Trauben ergriff.
    BTW, unter dem Dach meines Gartenhauses habe ich auch dieses Jahr wieder ein Wespennest, direkt auf der Rigipsplatte gebaut, die Dachboden und Wohnraum voneinander trennt. Das Geräusch der brummenden Wespen durch die Platte hindurch ist angsteinflößend und wunderschön zugleich.

  2. warum „geheilt“ – so, beim ersten lesen (nur rasch ins unreine gesprochen und ohne weitere kenntnis des textes und zusammenhanges): dacht ich eher an „trennungsschmerz“, an den garten eden, das verlorene paradies, die weggerissene all-ein-heit; nie sind die menschen von dieser wunde genesen; immer sehnen sie sich zurück in den „garten“ (wofür der auch immer konkret stehen mag, das lässt sich ja mannigfach füllen ..), können ihn nimmer vergessen. diese „unheilbare“ sehnsucht nach dem garten ist eben conditio humana, auch triebfeder vielerlei tuns, anschub im kleinen, im großen …
    (aber trennungsschmerz und phantomschmerz gehen hier auch ineinander über …)

  3. Danke für eure schönen Kommentare.
    Sehsinn / Tastsinn: fein beobachtet! Ich hab’s nicht bemerkt, und ich dachte, ich hätte genau gelesen!
    Es gibt einen etymologischen Zusammenhang zwischen „grappe” und den französischen Wörtern für „Haken” bzw. „Greifeisen, Greifer” (bei Baggern) … „Mettre le grappin sur quelqu’un” = sich jemanden grapschen.
    Von daher …
    Die Wespensituation im Gartenhaus kann ich mir, so wie beschrieben, gut vorstellen. Beunruhigend! – Als ich in Italien war (Juni), ist eines Nachmittags eine Hornisse auf mich zugeflogen, aber ich habe sie nicht gesehen, weil vorher meine Freundin, die mich schon über die Lebensgefahr bei Hornissenstichen unterrichtet hatte – Skorpione gab es auf dem Land auch – einen Warnruf tat und ich reflexhaft die Augen schloss. Ich habe es sofort bedauert. Tiere sehen ist schön, Tiere zum ersten Mal sehen großartig. – Nächstes Jahr will ich wieder hin: neue Chance auf Hornissenbegegnungen.

    Zu dem, was Du schreibst, Pega, habe ich keine Ergänzung. Ich möchte nur erwähnen, dass die Wespe gegen Ende des Gedichts noch einmal erscheint, als Heilende:

    „Et la guêpe qui heurte à la vitre a cousu
    Beaucoup déja de la déchirure du monde.”

    „und die Wespe, die ans Fenster stößt, hat manchen Riß schon
    wieder genäht in der Zerrüttung der Welt.” (Ü: F. Kemp)

  4. Wie macht sie das: Risse nähen? Indem sie, dröhnselnd ans Fenster stoßend, sich uns ins Gedächtnis ruft, und mit sich den Gedanken, dass dort draußen ungebrochene Linien vom Paradies ins Gegenwärtige bestehen – ihre eigene Paradies-Anbindung wurde ihr, dem Trauben fressenden Tier, ja nie aufgekündigt – ?

  5. thomas kling – bringe ich mit wespen in verbindung, hat von wespen geschrieben: nicht von bienen, die doch traditionell mit den dichtern assoziiert sind, sondern eben mit den im allgemeinen weniger positiv konnotierten wespen. und es gibt ein gedicht von marcel beyer, „wespe, komm in meinen mund“, das handelt von der sprache, vom sprechen;

  6. also – womöglich hat (nur so ein assoziativer splittergedanke, den hinzuschreiben ich doch mir erlaube) die heilerische kraft der wespe, mit sprache zu tun, mit dem dichten, mit der fiktion, mit der fähigkeit des menschen, sich mitzuteilen. was mich auch beschäftigt, m., an den von dir noch zitierten versen, ist: warum hat bonnefoy gerade dieses bild von der gegen das fenster dröhnselnden (schöner ausdruck, drittgedanke!) wespe gewählt? wofür steht das, worauf verweist das? – nachtwach grüßt: pega

  7. Auch beim Erschlagen der Wespe an sein Karma denken … Ja, das Gedicht von Beyer habe ich gerade nachgelesen. „Halt die Außensprache / kalt, innen sei Insektendunst” – damit kann ich was anfangen. Die symbolische Wespe hat mit Sprache zu tun, wie Du schreibst, aber das sprachliche Handeln wird (bei Beyer) erotisch und sexuell grell übermalt, z. B. die Schwellung am Hals infolge des (imaginierten) Insektenstichs mit einem kussinduzierten Hämatom assoziiert. Der Dichter geht mit der Sprache, alle sollen es sehen. Beyer skizziert kühl ein provokantes, ja aggressiv-pöbelndes Herummachen mit der Sprache, das mir recht fremd ist, auf das ich mich aber einlassen kann, so mit einem Zeh von einem vorsichtigen Fuß.
    Die Wespenauftritte bei Kling sehe ich später nach. Da gibt es einiges …
    Du hast ja vielleicht auch den DuMont-Band Gesammelte Gedichte bei Dir stehen (schwarz-gelb gestreift), sicher aber das Schreibheft über Kling, das ihn mit Wespennest auf dem Kopf zeigt.

    Ja, „dröhnseln” ist ein tolles Wort – mir schon jetzt unverzichtbar. Danke, Drittgedanke. – Gute Frage, warum er dieses Bild gewählt hat. Vielleicht geht es um den Moment des Genervtseins von Wespen … Sich da in Erinnerung zu rufen, dass sie ‚heilige‘ Insekten sind, rettende, kittende Wesen, die nicht nur darauf aus sind, mir Krümel vom Kuchen abzuschnitzeln.
    Ich müsste aber bei einem zweiten Lesen auf das Vorkommen des Wortes „vitre” achten, um auf eine Idee zu kommen.
    Es ist möglich, dass sich Bonnefoy auf Mallarmé bezieht, speziell auf dessen Gedicht „Les fenêtres” (1863), das in einem Hospital ’spielt‘, und in dem beschrieben wird, wie sich das, von dem es umgebenden Leben (Siechen) angewidert abkehrende, Ich ans Fensterkreuz krallt. Dies titelgebende Fenster scheint in einem erstaunlichen Variantenreichtum immer wieder auf: „fenêtres” (2. Strophe), „carreaux” (3. Strophe), „croisées”, „verre” (7. Strophe), „vitre” (8. Strophe), „cristal” (10. und letzte Strophe).
    Der im Zusammenhang mit Bonnefoy vor allem interessante Vers lautet:
    „ – Que la vitre soit l’art, soit la mysticité -”
    Die Fensterscheibe, gleichviel, ob sie dem Ich Kunst oder Mystizismus ist, wird zum Mittler für den Wunsch, verwandelt wiedergeboren zu werden:
    „et j’aime / – Que la vitre soit l’art, soit la mysticité – / A renaître, portant mon rêve en diadème, / Au ciel antérieur où fleurit la Beauté!”
    Wiedergeboren, den Traum als Diadem (die Bonnefoy’sche Wespe krönt sich mit Licht).
    Mit dem Landungsort des Verklärten wird’s aber nun kompliziert. Liegt die Wiedergeburt in der erträumten Zukunft, so gehört der Himmel („ciel”), in dem die Schönheit blüht, merkwürdigerweise einer Vorzeitigkeit an („antérieur”).
    Im Internet fand ich dazu ein Zitat von Paul de Man, aus dessen Dissertation (1960), das ich mir an den Rand geschrieben habe – schwierige Texte führen den Leser ans Schreiben -:
    „Rebirth in this ideal world can only be stated in the form of a temporal paradox […], as a future which is primarily a return to the past, but never able to exist in the present.“
    Gut, ich könnte mir also vorstellen, dass die Scheibe in dem Gedicht von Bonnefoy aus dem Gedicht Mallarmés eingesetzt wurde und dass sie für ein erträumtes, nicht zu erringendes, aber immer anzustrebendes Ideal steht. Die scheinbar dumm immer wieder gegen das Glas anrennende Wespe hätte dann eine Botenfunktion, sie käme mit einer Botschaft, wäre eine Mahnerin und Trösterin.

  8. „Die schlechtesten Früchte sind es nicht / woran die Wespen nagen” – so ein Magnet-Spruch-Spiel aus den frühen Achtzigern mit diesem FetzenText fällt mir ein. (Es ist ein Aphorismus von Gottfried August Bürger, hab ich mich schlau gemacht. Der hat sich sonst eher nicht kurz gefasst.)
    almathun, Dein Wespengebrumm hinter der Wand erinnert mich an einen der Günter Eich’schen Träume – es ist der fünfte -, mit den Termiten in der Wand. Kennst Du den? Schaurig.
    „Dröhnseln“ ist wirklich eine schöne Wortschöpfung, Drittgedanke! Was die Scheibe zwischen uns und Garten betrifft, gegen den die Wespe also andröhnselt, so denk ich an Ernesto Cardenal’s Buch von der Liebe. Darin hat er das Bild des Falters an der Glasscheibe, und dass wir in dieser Welt diese teilweise Erfahrung des Falters vom Paradies haben – na ja, schätze ich mal so wie: „Wir sehen itzt durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort” im Korintherbrief nach Luther oder, was mir eher liegt: „But now we see through a glass, darkly” – in der King James Bibel.
    Moritz-von-Spr, das Gedicht ist schön, und auch die Übersetzung und die Gedanken. Merci. Dieses Beklettern bringt mich als Leser auf Augenhöhe mit der Wespe und versetzt mich in ein Liliput. Das passiert übrigens auch, wenn man als Mensch in den Alpen herumsteigt. Ob Traube oder Piz Bernina, man wird winzig.

  9. Schön gesagt. Ja, so würde ich’s sehen. Es steckt aber auch Beobachtung dahinter, würde ich sagen, denn so, wie Wespen ihre Schneidewerkzeuge verwenden – sieht es nicht ein bisschen wie Nähen aus?
    „Paradies-Anbindung” ist eine lustige Formulierung. Diese Abfahrt möchte ich auch mal nehmen, später.

  10. Das Verb „herrschen” („régner”) in den zitierten Versen lässt sich intransitiv auffassen – buchstäblich absolut, und so tut es die Übersetzung von Friedhelm Kemp -, aber auch transitiv, und dann wäre die Ergänzung: „sur la grappe” = über die Traube.
    An die Eich’schen Termiten habe ich auch gedacht, nur dass da von „wunderschön” nicht die Rede sein kann.
    Übrigens, dass die Wespe Risse näht, indem sie gegen das Fenster stößt, ist eine mögliche Interpretation, aber vielleicht sind das auch zwei auseinanderliegende Dinge. Und dann wäre da noch die Frage, ob sie von außen oder von innen dagegen stößt.

  11. Wenn die Wespe am Fenster nun „von innen dagegen stößt“, herrje, muss ich meine Perspektive ja total umkrempeln. (Wie kommt´s, dass ich eine Wespe automatisch als Eindringling denke – und sie mir als Ausbrecherin gar nicht erst in den Sinn kommen würde?) Der Verweis auf Thomas Kling, diese Dichter-Wespe, erinnert mich an einen Gedanken, mit dem mein Bruder mal um die Ecke kam, als wir uns über Insekten unterhielten: Spinnen und Wespen wird ungerechter-, da eigentlich unbegründeterweise Sympathie vorenthalten, während wir andere Insekten mit vermenschlichendem Blick betrachten – Hummeln als niedliche Pummelchen, Bienen als fleißige Arbeiterinnen, Ameisen als große Baumeister – und sie mögen. Allein unsere Urängste sind es wohl nicht, die unseren Abstand zu den Spinnen und Wespen bedingen. Das Fehlen von Mimik ist zwar immer so ein Ansatzpunkt bei der gefühlsmäßigen Auseinandersetzung mit Insekten, aber an einem Schmetterling oder Mistkäfer stört mich dieses Fehlen schließlich auch nicht. So kamen wir auf den Umstand zu sprechen, dass man weder eine Spinne noch eine Wespe je als entspannt erlebt. Beide sind Unruhe-Tiere: Selbst indem sie innehalten und ausruhen, wirken sie auf uns alert, angespannt, aggressionsbereit, niemals sind sie verschlafen oder gar verträumt. Die Wespe, deren Mandibeln unablässig beißen und spuckeln und deren Stachel permanent einsatzbereit ist, ungebremst sogar, während sie in Zuckerplörre ertrinkt – das logische Wappentier für den Dichter mit dem schneidenden Mundwerk und dem stichelnden Zeigefinger, aber auch: für den Unruhe-Menschen.

  12. Die Verse lassen offen, ob die Wespe von innen oder außen gegen die Scheibe fliegt. Deine Lesart ist also (auch) richtig. – In der Strophe wird ein Nachmittag beschrieben, über dem Schweigen liegt, und zwar ein Nachmittag im Haus, denn es ist von Kamin (aber wer weiß) und Schlafzimmer die Rede:

    „Le temps dort dans la cendre du feu d’hier / [hier folgen die beiden Wespenverse] / Nous dormons, dans la salle d’en haut, mais nous allons / Aussi, et à jamais, parmi les pierres.”

    „die Zeit schläft in der Asche des gestrigen Feuers / [dröhnsel dröhnsel] / [dröhnsel dröhnsel] / Wir schlafen, in dem oberen Saal, aber wir gehen / auch, und auf immer, zwischen den Steinen.” (Ü: F. Kemp]

    Statt „Saal” fände ich „großes Zimmer” für den Raum in einem Wohnhaus angemessener, aber das sind dann gleich acht Buchstaben mehr, was den Vers vielleicht sprengen würde.

    Deine Insektologie gefällt mir. Die Schlussfolgerung, das Wort „Unruhe-Tiere”, scheint mir plausibel, und auch die Erweiterung zum „Unruhe-Menschen” Kling.
    Eine Unterhaltung unter Geschwistern über Insekten finde ich prima!

    (Zu mehr Kommentar bin ich gerade nicht in der Lage, weil meine ewig aufgekratzte Mitbewohnerin unter häufiger Nutzung ausgestorbener Wörter wie „krass”, „geil”, „krass geil”, „ey” und „boah” ins Telefon schreit.)

  13. (Boah, krass! Also Telefonieren jetzt, meine ich – wer telefoniert denn noch? Gibt es überhaupt noch Telefone, mit denen man so was kann? Und, falls sich Telefonieren als Retro-Trend durchsetzen sollte, was soll dann werden aus dem guten alten Whatsapp??)
    „Wir schlafen, in dem oberen Saal, aber wir gehen / auch, und auf immer, zwischen den Steinen.“… Da wir uns – mit dem vom Paradies murmelnden Gedröhnsel – schon ans Biblische herangewagt haben: Den Vorabend seiner Kreuzigung verbrachte Jesus mit seinen Jüngern „in dem oberen Saal“ (der im Gedicht verwendete bestimmte Artikel verweist vielleicht darauf, dass jener bestimmte Saal gemeint sein könnte) eines Hauses in Jerusalem beim Letzten Abendmahl, und in ebendiesem Abendmahlssaal entrichtete später der Auferstandene seinen Jüngern den Friedensgruß. Steine an sich sind in der Bibel sehr präsent – hier kommen mir dabei jene in den Sinn, die als Erinnerung an Menschen oder Ereignisse dienten oder zur Bezeugung eines Eides, sowohl in Form von Steintafeln als auch allmählich gewachsener Steinhaufen; im übertragenen Sinne gehen wir im Leben „auch, und auf immer, zwischen den Steinen.“

  14. Ah, kann sein, dass sie via Whatsapp telefoniert hat – zu laut jedenfalls. Ich möchte nicht darüber reden.
    Du hast einen sehr schönen Kommentar geschrieben, dank je wel! Du bist klug, dass es eine Freude ist! Ich als blasser Kathole hatte diese Zusammenhänge natürlich nicht parat und hab hier nicht mal eine Bibel rumliegen, um Deine Angaben zu kontrollieren. Aber das wollte ich auch gar nicht, ich habe ja überhaupt keinen Grund, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. – Es scheint mir vollkommen einleuchtend, Bonnefoys Verse vor dieser biblischen Folie zu lesen, sie mindestens aber mit in Betracht zu ziehen. Meines Wissens ist er zwar ungläubig, maximal Agnostiker, aber das schließt die Lesart nicht aus.
    Steine kommen bei B. viele vor, es gibt da überhaupt wiederkehrende Motive, aber ich will erst weiterlesen, bevor ich dazu was sagen kann.
    So, jetzt nach der Erwerbsarbeit, werde ich erst mal einen Viertelliter Kaffee trinken, drei Liter Wasser und eine Tasse Tee (später).

  15. Einen Viertelliter Kaffee, drei Liter Wasser und eine Tasse Tee? Das „später”, worauf bezieht sich das? Auf ein Nach-dem-Wasser? Wie lange brauchst Du, bis Du die drei Liter Wasser intus hast? Ein phantastisches Programm — das eines Autors, wie mir scheint!

  16. Eine einfache Reihenfolge; mit dem Kaffee kommt hin, mit dem Tee ebenso, mit dem Wasser …
    So viel war’s nicht. Aber ich fühlte mich ganz drög. – Manchmal steuere ich einen bestimmten Falafel-Laden am Winterfeldtplatz an, um da Ayran zu trinken, aber die machen gerade Ferien.
    Im übrigen habe ich Campari im Eisfach, den ich, wenn vorhanden, mit Pampelmusensaft zu einer Limonade mische. Heute werde ich ihn wohl oder übel unverdünnt trinken müssen.
    Dies phantastische, hier nun komplettierte, Getränkeprogramm – aber nicht jeden Abend! – ist das eines Lesers: Ich widme mich zur Zeit jenen neunzehn kanonischen Mallarmé-Gedichten, die in den Auswahl-Ausgaben des Insel Verlags und der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung nicht enthalten sind. (Ich habe eine Ausgabe von Flammarion, die neben den offiziellen Gedichten auch die – alle? – Gedichte von Mallarmé-Kind-Jugendlicher-junger Erwachsener enthält. In späteren Jahren ließ er sie alle nicht mehr gelten.)
    Daneben war ich heute nach Monaten mal wieder bei ZADIG (Französische Buchhandlung), wo ich einer Buchhändlerin, die mich mit ihrem Décolleté und ihrer Freundlichkeit verwirrte (aber sie selbst war überhaupt nicht verwirrt), Das Spiel von Liebe und Zufall abkaufte (Le Jeu de l’amour et du hasard), das Du sicher kennst. – Ich freue mich schon darauf, denn es hat mir immer viel Spaß gemacht, Theaterstücke zu lesen – während ich vor Theaterbesuchen meist zurückgeschreckt bin, wie Du verstehen wirst … Dennoch wollte ich mal Schauspieler werden … Also, meine Haltung zum Theater ist so-so.

  17. Nein, kenn ich nicht. Aber der Titel ist zeitlos französisch, findest Du nicht? Ich hab neulich überlegt, mal wieder Goethe zu lesen, „Kampagne in Frankreich”, weil mir dazu inzwischen nicht mehr einfällt als: „Liberté toujours”. Aber Fehlanzeige. Wird als Reclam-Heftchen gar nicht angeboten. Aber allein schon die paar Zitate, die ich auf Wikipedia aufschnappen konnte — irgendwie stärkt einem das beim Schreiben den Rücken. Der ganze Morast, in dem man sonst versinkt, sobald man die Worte aneinander zu fügen versucht — mit einem Mal wird ein Boden eingezogen, man versinkt nur noch bis zu den Knien. Das ist wunderbar.

  18. Zeitlos, allerdings! – Wenn Du willst, kann ich Dir den Goethe-Band leihen (Bd. 10 der Hamburger Ausgabe). Ich könnte ihn morgen als Brief schicken, dann hast Du ihn übermorgen da, und wenn Du das nächste Mal nach Berlin kommst, bringst Du ihn wieder mit?

  19. Nein, bitte, keine Umstände! Ich hol ihn mir ab, wenn ich in Berlin bin, und sende ihn dann zurück. Bis dahin lese ich einfach in der „Italienischen Reise”.

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