Beginn oder Anfang?

Nach über halbjähriger Pause habe ich an meiner Bonnefoy-Sammlung weitergebastelt und mir
Was noch im Dunkel blieb / Anfang und Ende des Schnees zugelegt, ein mittlerweile auch schon wieder zwanzig Jahre altes Buch – das übrigens, zu meiner nicht geringen Überraschung, im Bleisatz gedruckt wurde. Obwohl … nicht eigentlich das hat mich erstaunt, sondern der wörtliche Hinweis darauf im Impressum:
„Gesetzt im Bleisatz aus der 10 Punkt Aldus von Alwin Maisch, Gerlingen”.
Die beiden darin enthaltenen Gedichtbände sind im Original 1987 und 1991 erschienen, die deutsche Ausgabe (bei Klett-Cotta) stammt aus dem Jahr 1994.
Ich kann noch nicht viel sagen, möchte aber die Übersetzung der Titel kritisieren: so weit bin ich schon gekommen.
Ce qui fut sans lumière scheint mir mit Was im Dunkel blieb nicht glücklich wiedergegeben.
Bonnefoy nennt ja das Licht, wenn auch in Verneinung. Ich fände Was ohne Licht war besser. Da kann man darüber nachdenken, ob von etwas die Rede ist, das eben ohne Licht war – Dunkelheit litt -, oder von etwas, das da war, obwohl es kein Licht gab. Im ersten Fall hätte es das Licht entbehren müssen,
im zweiten Fall entbehren können.
Zum zweiten: Anfang und Ende des Schnees. – Début et fin de la neige, so hatte der Dichter seine in Neuengland geschriebenen Schneegedichte betitelt.
So weit so gut. Auf der Titelseite des Klett-Cotta-Bands, und wieder auf Seite 155, wo der Abdruck der entsprechenden Gedichtsammlung beginnt, ist aber zu lesen: „Beginn und Ende des Schnees”.
Kein Mensch spricht jedoch von Beginn und Ende. Der Ausdruck heißt Anfang und Ende. – Gut, dass es so auf dem Cover steht.
„Anfang” durch „Beginn” zu ersetzen, scheint mir eine unnötige Verzwirbelung.
Mal sehen, ob sich im weiteren Lesen mein Eindruck bestätigt, dass die deutsche Übersetzung den Gedichten Spuren von Puder (Staub) beimengt, die sie im Original nicht haben.

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Ein Kommentar zu “Beginn oder Anfang?

  1. C., mit dem ich bei einem Blaubeermuffin darüber sprach, gab die gute übersetzerische Devise aus: „Einfach machen!” – und nicht einen gehobenen, aber natürlichen, Sprachstil noch weiter anheben.
    Er kritisierte bei der Gelegenheit die Übersetzung des Anthony Doerr-Titels All the Light We Cannot See mit Alles Licht, das wir nicht sehen. Er hätte besser gefunden: All das Licht [usw.].

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