Nasenstüber

Ich beobachtete, wie Ecke Turmstraße / Stromstraße ein abbiegender Kleinwagen seine Schnauze frech in die Fahrradspur schob, worauf ihm die linke der beiden Radfahrerinnen vor mir en passant mit dem Schuh auf die Kühlerhaube tupfte. Darüber wurde der Beifahrer böse, er ließ die Scheibe herunter, streckte den Kopf heraus und rief: „Hurentochter!”. Aber sie – an ihrem Rücken meinte ich es zu erkennen – lachte nur.

An einer anderen Kreuzung, Spreeweg / John Foster Dulles Allee, hing lange die Fahrradampel lose am Mast, die Signalabfolge war Grün Gelb Rot statt Rot Gelb Grün, und die Pfeile zeigten in die falsche Richtung. Irgendwann hatten die Stadtwerker sie mit weißrotem Absperrband provisorisch gerichtet, aber es dauerte noch einige Wochen, bis sie sie richtig angeschraubt hatten, und das Absperrband war wieder verschwunden. Würde ich fotografieren: ich hätt’s fotografiert. Aber die Touristen, die immer vor Bellevue scharwenzeln, seitwärts und rückwärts trippeln, und manchmal vorwärts, richten ihre Fotoapparate und Smartphones auf die Goldelse.

Zweimal die Woche sitze ich bei meiner Schwester in der Buchhandlung, wir rauchen, trinken Kaffee, sie setzt mir ein Tellerchen mit Goldringen hin, die ich sehr gern esse.

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