Mara Genschel Material

Mara Genschel Material

„Dieses Buch gibt einen Einblick in das Gattungsgrenzen hinterfragende Werk Mara Genschels. Zwar kennt und nutzt sie Verfahren der bildenden Kunst und der zeitgenössischen Musik. Dennoch wird dabei der Kernbereich der Literatur nicht verlassen. Ihr Werk kann darüber hinaus als ein Modellfall betrachtet werden, wie von Lesern mit ästhetischen Herausforderungen umgegangen wird. Verständnishürden, so erweist sich hier, müssen nicht unbedingt in der Struktur eines Artefaktes liegen. Hürden können auch durch die hergebrachten Gepflogenheiten unseres öffentlichen Umgangs damit erst erzeugt werden.”
(Text: Bertram Reinecke / Reinecke & Voß)

Auszug aus meinem Beitrag, mit Interpretationen zu den Texten „ERHABENES für G. Falkner”, „GEEST” und „KIRCHENBÄNKE usw.”:

In dem Text „KIRCHENBÄNKE usw.“ greift Genschel das Erhabenheitsthema scheinbar wieder auf. Nicht der profane Raum eines Museums, sondern der sakrale Kirchenraum bildet seinen (imaginären) architektonischen und situativen Rahmen. Anstelle des ‚eigentlichen‘ Wortes „Kirche“ steht aber, als Synekdoche, „Kirchenbänke“. Das sprachliche Material des Textes erschöpft sich, außerhalb seiner Überschrift, in den Wörtern „vorn“ und „hinten“, die sich über die Länge des Textes (4 Seiten) regelmäßig, durch Querstriche voneinander getrennt, abwechseln. Die Zeichenverwendung scheint Ordnung und Brüche zugleich zu bieten, und sie lässt auch an die Notation von Zeilensprüngen bei Gedichtabschriften bzw. -zitaten denken, die ebenfalls durch Querstriche markiert werden. Genschel belässt es aber nicht bei dem nackten, in den Kirchenraum (auf das weiße Blatt) transponierten Binärcode, sondern putzt ihn mit Anführungszeichen und runden Klammern heraus. Diese sind den Wörtern übergestülpt wie Würfelbecher beim Hütchenspiel, geeignet, die Sinne des Betrachters zu verwirren. […] Auf Mitte der vorletzten Seite, in Höhe der Klebestreifen in „ERHABENES“, wie eine Weihrauchwolke oder wie das Kruzifix über dem Altar, ein eingeklebter Fremdtext in abweichender Schriftgröße und Typographie […].

Zum Weiterlesen: Auf den Seiten der Lyrikzeitung & Poetry News wird ausführlich aus dem im Band enthaltenen Essay Bertram Reineckes zitiert: „Pöbel mal, Lyriker!”

Bertram Reinecke (Hg.), Mara Genschel Material. Auseinandersetzungen mit dem Werk der Dichterin von Luise Boege, Ann Cotten, Michael Gratz, Martin Schüttler und Meinolf Reul
+ Dokumentationsteil mit teilweise unveröffentlichten Arbeitsproben von Mara Genschel.
100 Seiten, broschiert. 24 x 18 cm. Reinecke & Voß, Leipzig 2015. 12,00 Euro
– erscheint am 18. März

Bestellungen über jede Buchhandlung oder beim Verlag (info@reinecke-voss.de).

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3 Kommentare zu “Mara Genschel Material

  1. Bin schwer beeindruckt – worüber man (frau auch) sich alles Gedanken machen kann, heute geht alles um den Politiker E., der ein unsympathischer Typ sein mag, in meinen Augen aber so eine Art ‚Bauernopfer‘ – kann ich das kundtun, ohne Adressat von Mordandrohungen zu werden? Draussen isses Grau² alles muss weiterlaufen … Grüße in die Hauptstadt T.

  2. Wenn etwas mich inspiriert, mache ich mir gern Gedanken! – Von mir hast Du keine Mordandrohungen zu gewärtigen. Ich tue keiner Ameise was zuleide, passe von daher ein bisschen zu euch Buddhisten (Nachbarn von Buddhisten). Die von Herrn E. konsumierten Bilddateien haben meines Wissens den bekannten Straftatbestand nicht erfüllt; ansehen muss man sich’s trotzdem nicht, und wenn die Gesetzeslücke geschlossen wird, bin ich zufrieden. Sexuelle Ausbeutung ist abscheulich, der Film Lilja 4-ever von Lukas Moodysson sagt alles darüber. Sicher sind noch einige andere Parlamentarier schuldig, um so dankbarer das Einschlagen auf den, der sich ertappen ließ. Gewöhnliche Prostitution (das Freien) wird wohl lieber gesehen, wenigstens als Kavaliersdelikt behandelt. Kurzum: viel Bigotterie ist im Spiel. – (Ich) R(r)ed lieber über das Wetter. Grau hoch zwei gefällt mir; das ist aber mit Korbweiden, Pappeln und Kühen auf der Wiese viel besser zu ertragen als an einer öden, stark befahrenen Straße. (Das Geräusch von Autoreifen auf nassem Asphalt habe ich immer als besonders trostlos empfunden.) Die rbb-Abendschau sagt, dass die Temperaturen steigen werden, und das ist zu Frühling ja oft so … Obwohl ich mich an ein Osterfest anno 1977 oder 1978 erinnere, wo wir Kinder vor Kälte geweint haben.

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