Surprise!

Im Internet fand ich eine – den Herausgebern zufolge – getreue Reproduktion von „Un Coup de Dés”.
Und siehe da: mein Inselbüchlein druckt eine schlimme Verballhornung.
Mallarmés Gedicht enthält viel weißen Raum, aber keine zwei rein weiße Seiten (zum Beispiel).
Ich habe das Lineal umsonst gekauft.

Samstag, auf dem Rückweg vom ersten Tag des open mike, als ich über das laubschuppige Pflaster und durch die schmatzenden Blattverwehungen von Bellevue-Ufer und Holsteiner Ufer fuhr und sich im schwarzen Wasser der Spree die Straßen- und Parklichter spiegelten – mit einem Auge registrierte ich das „OASE!”-Graffito, das jemand auf die rechte Backe der Moabiter Brücke gesprayt hatte – nahm ich die Berliner Feierlaune wahr, akustisch vermittelt durch den Hubschrauber, der über Mitte kreiste, wohl, um die siebentausend Leuchtballons, die für ein paar Tage den einstigen Verlauf der Mauer nachstellten, in einen einzigen runden Blick zu raffen.

Das Publikum des open mike, das ich von meinem Balustradensitz aus gut studieren konnte, war absolut uniform, alle dünn und in schwarzen Klamotten. Die Autorinnen und Autoren saßen dazwischen.
Die Texte waren teilweise – und ich würde sagen: zum größeren Teil – gut, der Vortrag professionell.

Konform zu sein heißt nicht, kein Ego zu haben.

Ich glaube an die zähe Unzulänglichkeit.

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