Solaris

Gestern haben wir mit unserem Beamerclub „Solaris” von Steven Soderbergh geguckt. Ich hatte den Film schon einmal gesehen, 2002, als er herauskam, in Köln. Wir waren mit fünf oder sechs Leuten unterwegs, Uljana und Ingo waren dabei, daran erinnere ich mich sicher, vielleicht auch Ian, Melanie? … Zu lang her. Ich durfte aussuchen, was wir gucken würden.
Mich faszinierten die Scheinwerferaugen von Natasha McElhone – die ganze Person hat etwas Überirdisches, und das passt, weil sie keinen Menschen verkörpert, sondern ein Etwas, das von Solaris stammt und Teil von ihm ist.
Auch die Darstellung von Jeremy Davies in der Rolle des Snow – fabelhaft. (In Wenders‘ „The Million Dollar Hotel” hat er mich genervt.)
Meine Freunde damals wechselten gelangweilte Blicke.
Gestern war die Zustimmung breiter. F., der den Roman gelesen hatte (auch T. hatte ihn gelesen, erinnerte sich aber nicht mehr daran), bemängelte die Konzentration auf die Paargeschichte, war aber viel zufriedener als mit „Drei Farben: Blau“, den wir letztes Mal geguckt hatten.
„Solaris” hat schöne Bilder und enthält Anspielungen auf Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum” und – wusste T., der sehr besehen ist – auf Tarkowskijs „Solaris”-Verfilmung von 1972: die Regentropfen am Fenster.

Ich habe nie Lust auf Tarkowskij-Filme, aber ich hätte Interesse, „Solaris” zu sehen, und vielleicht sogar „Stalker”, der uns seit Monaten zur Abstimmung vorgelegt wird, und der immer abgelehnt wird. (Ich erinnere mich an Solomon Volkows Schostakowitsch-Buch, Zeugenaussage, in dem erzählt wird, dass Tarkowskij für eine Filmszene eine brennende Kuh benötigte; niemand wollte die Kuh anzünden, und schließlich hat Tarkowskij sie selbst angezündet.*)

* Ich habe die Stelle gefunden:
„Tiere zu verbrennen ist entsetzlich. Leider geschieht das auch heutzutage noch. Ein begabter junger Regisseur drehte einen Film. Und in diesem Film brauchte er eine brennende Kuh. Aber niemand wollte eine Kuh in Brand setzen, weder der Regieassistent noch der Kameramann, niemand. Da übergoß der Regisseur selber die Kuh mit Kerosin und zündete es an. Brüllend rannte die Kuh hin und her. Eine lebende Fackel. Und so wurde sie gefilmt. Die Aufnahmen wurden in einem Dorf gemacht. Als die Bauern davon erfuhren, hätten sie den Regisseur fast totgeschlagen.”
(Der fragliche Film ist „Andrej Rubljow“ [1969].)

Nun, da er erklärt hat, vorerst nicht mehr drehen zu wollen, habe ich rekapituliert, welche Soderbergh-Filme ich gesehen habe: „Out of sight” (1998), „The Limey” (1999), „Traffic” (2000), „Erin Brockovich” (2000) und „Ocean’s Eleven” (2001).

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9 Kommentare zu “Solaris

  1. Korrigendum:
    „F. hat nix bemängelt! Ich habe festgestellt, dass im Film ein spezieller Schwerpunkt gesetzt wird, während das Buch insgesamt komplexer ist. Die Darstellungsweise des Buches kann der Film schon rein medientechnisch nicht nachahmen. Deshalb ist der Film notwendigerweise ein eigenständiges Ding und baut – wie ich versucht hatte anzudeuten – andere Personenkonstellationen und Abläufe, die mit Funktion auf die Paarkonstellation durchaus funktionieren. Bemängeln könnte ich das wohl nur, wenn ich etwas anderes von einem Film erwarten könnte. Im Buch von Lem geht es eindeutiger um die Relation Mensch vs. Fremde Wesenheit Ozean auf Solaris; im Film eben um die personale Opposition und Durchdringung von Chris und Rheya.”

  2. Eine Parallelaktion! Und darüber schreibt dann einer ein Buch, während ein anderer einen Filmessay dazu schneidert, wie einer ein Buch über so eine unmögliche Konstellation schreiben kann, was wiederum in einem Blog tage-, also scheibchenweise … „Solaris in Kakanien”, unter diesem Titel gibt ein niederrheinischer Post-Epiker diesen ganzen Batzen Multimedialität dann eines Tages heraus. (Das Medium, das er wählt, ist noch nicht erfunden, das würden Sie jetzt nicht verstehen.) Am Tag nach der Editionsleistung steigt er, den Beifall der Lokalpresse noch im Ohr, ins Türmchen hinauf, ganz oben rechts, 93 Stufen, und hängt sich auf, mit dem Gefühl, alles erreicht zu haben, was man überhaupt nur erreichen k– … und just in dem Moment, da bei ihm die Jupiterlampen ausgehen, tritt seine Traumfrau, die ihn einst für einen angeberischen Geschäftsmann aus Biarritz verlassen hat, ins Zimmer und sagt: „Ich habe immer nur dich geliebt!” Ihr Lächeln, ihr Kleid, sogar die Art, wie sie den linken Fuß einwärts dreht — wie damals! Wie damals! Da versucht er natürlich, sich aus der Schlinge, die sich auftragsgemäß engstmöglich um seinen Hals gezogen hat, zu befreien, aber alle Zappelei, alles Gestöhn und Gewürge — es nützt nichts. Game Over. Happy End.

  3. Ja, oder: „Die Liebe ist Sieger – rege ist sie bei Leid” (aus: Fremdwörterbuchsonette von Ann Cotten). – Hab den Kommentar erst gerade gesehen, weil ich a) den Nachmittag geschlafen habe und b) seit heute keine E-Mails abrufen kann (authentication failed).

  4. Bekomme Lust, Lem zu lesen …

    Wegen Tarkowskij – das ist wirklich eine scheußliche Anekdote, aber Andrej Rubeljow ist trotzdem meisterhaft und sehenswert. Waren eben üble Zeiten, wo der Film spielt. Könnte man Tarkowskij doch fragen, ob er heute die Szene mit digitalen Tricks realisieren würde, ohne dass ein Tier leiden müsste. Die Antwort hätte mich interessiert.

    Von den beiden Lem-Verfilmungen habe ich nur Bruchstücke gesehen und beide stehen noch auf meiner inneren Liste des Eines-Tages-Angucken.

  5. Ich kann mir schon denken, dass ein Künstler sich etwas auf eine genau bestimmte Weise vorstellt und unbedingt so ins Werk setzen muss, weil seine Imagination es zwingend erfordert (die eine strenge Dame ist und nicht mit sich spaßen lässt). Künstlerisch hat Tarkowskij wohl die richtige Entscheidung getroffen. Dennoch stehe ich abseits beim Kameramann und beim Assistenten und helfe nicht mit Streichhölzern.

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