Pierre Boulez zum Geburtstag

„Ich bin für die Utopie, aber sie muss wirklich realisiert werden können.”

(Pierre Boulez, *26.3.1925)

Advertisements

2 Kommentare zu “Pierre Boulez zum Geburtstag

  1. Na, ick weeß nich – der Weg ist bei der Utopie doch das Ziel, das, was die Utopie mit einem anstellt: „Weiter sehen als wir sind”, wie ich Huub Oosterhuis gern zitiere. Stolpersteine, Hindernisse, Irrwege, Rückschläge und Scheitern gehören dazu, sonst enden wir in Totalität, und das sind grausame Auswüchse verwirklichbarer Utopie, meinst Du nicht?

    Und was die Musik betrifft, kann ich bei Boulez bisher leider gar nicht mitreden, aber ich mag beispielsweise John Cage und glaub nicht, dass er immer überblickte (oder voraushörte), was er da zusammenkomponierte und wie es an Ort und zur Zeit und mit den vorhandenen Instrumenten und beim jeweiligen Hörer wirkte. Cage finde ich ein gutes Beispiel für das Wagnis Utopie in der Musik, so gründlich und durchdacht er auch zu Werke ging.

  2. Boulez bezog sich mit dem Satz auf komplizierte Notationsverfahren jüngerer Komponisten, auf kleinste Noten- und Pausenwerte, vertrackte Synkopierungen usw., deren Realisierung schwierig oder unmöglich ist. Ich finde den Satz aber gut auch ohne diesen aufführungspraktischen Hintergrund, weil er so schön paradox ist, oder noch nicht einmal paradox, denn der Nachsatz hebelt den Vorsatz sauber aus. Es ist der Satz eines Filous.
    Der Hinweis auf Totalität stimmt. Die Ausdehnung der Prinzipien der Dodekaphonie in der Musik nach 1945 – die serielle Organisation nicht nur der Zwölftonleiter, sondern auch der Tondauer, Artikulation, Lautstärke etc. — Boulez gehörte mit Stockhausen zu jenen, die sie am konsequentesten betrieben haben. Er gehörte zu den Hardlinern, auf die das Wort von der „Zwölftonpolizei” gemünzt war … In Bezug auf das erste der drei Stücke seiner „Structures” sprach Boulez denn auch rückblickend nicht nur von totaler, sondern von totalitärer Organisation des kompositorischen Materials. Ich muss aber sagen, dass mich die Totalitätsphantasie in der Kunst überhaupt nicht stört, Du hast mit Cage ja selbst das beste Beispiel dafür gegeben. Cage hat viel mit den sogenannten time brackets gearbeitet, die den Interpreten vorschrieben, zu welchem Zeitpunkt eine musikalische Aktion wie lange zu erfolgen habe: Freiheit und Zwang … cage eben, mit geöffnetem Türchen.
    Mir persönlich ist Boulez sympathischer als Cage oder Stockhausen, weil er immer neugierig auf die Musik anderer war (und immer noch ist), während die beiden anderen vollkommene Egomanen waren – und Gurus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s