Früh aufstehen

Der Verlust des Handys (auch wenn ich es am darauffolgenden Tag wiederbekam) war misslich, weil es für das Aufstehen um 4.00 Uhr an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über einen Zeitraum von einem Dritteljahr wirksamer Hilfsmittel bedarf.
Eine festgesetzte – politisch gesprochen – Schlafuntergrenze von vier Stunden ist an und für sich hilfreich, genügt aber nicht. Also habe ich meinen Radiowecker auf 3.30 Uhr programmiert; spätestens, wenn er sich um 4.30 Uhr abschaltet, schrecke ich hoch, denn, wie Thelonious Monk gesagt hat: „Die Stille ist der schrillste Ton.”
Aber das genügt nicht. Nun kommt das Handy ins Spiel, das ebenfalls über eine Weckfunktion verfügt. Fünf Weckzeiten können eingegeben werden, in meinem Fall sind es 4.00 Uhr, 4.05 Uhr, 4.10 Uhr, 4.15 Uhr und 4.20 Uhr. Die Tastenton-Lautstärke steht auf 7, das ist das höchste Level. (Im Normalbetrieb wähle ich zwischen 1 und 3.)
Anfangs hatte ich an meinem Kopfende zusätzlich eine Kerze brennen, so wie es in manchen Gegenden bei der Totenwache üblich ist, ich glaube, in der ersten Geschichte der Dubliner wird es beschrieben. Lichtreize sind dienlich beim Aufstehen, über ihren Nutzen für den Totenschlaf weiß ich nichts. Im Moment nutze ich dies tool (Kerze) nicht, weil mir die Streichhölzer ausgegangen sind und ich mir mit dem Feuerzeug, dessen Brennstoff auch schon zur Neige geht, nur die Finger verbrenne.
Jemand erinnerte mich an den telefonischen Weckdienst der Telekom, eine an sich gute Idee, die aber mangels Telefon nicht griff.
Da war es gut, dass mir H. ihren Wecker (einen von mehreren) auslieh. Sie steckte probehalber eine Batterie ein und die Zeiger setzten sich in Gang. Sie bemerkte die schnelle, zu schnelle Bewegung des Sekundenzeigers. Es war aber ein Funkwecker.
Funkwecker müssen, um betriebsbereit zu sein, auf 12.00 Uhr stehen. Ist diese Ausgangsposition erreicht, schließt das Zifferblatt zur Konzentration die Augen, um ungestört das Funksignal der Braunschweiger Atomuhr aufzunehmen. Sobald dies kommt, lösen sich die Zeiger aus ihrer kontemplativen Starre und krabbeln auf ihre Plätze.
H. entnahm die Batterie wieder. Zu Hause setzte ich eine eigene ein, so ging’s.

Advertisements

4 Kommentare zu “Früh aufstehen

  1. Wie man’s dreht und wendet – 4.30 Uhr ist verdüllich früh!

    Ist die Funkuhr nicht ein faszinierendes Ding? Als ich unseren ausgedienten mechanischen Wecker mit einer solchen ersetzte, zog mich im Initiationsritus der Sekundenzeiger in seinen Bann, wie er sich in Konform brachte.

    Schönen Feierabend dann später!

  2. Der Feierabend kommt dafür immer erfreulich früh. (Heute habe ich erfahren, dass sich die Zeiten ab April um eine halbe Stunde nach vorn verschieben. Aber das ist egal, wenn nur die Temperaturen steigen. Ich habe ja hier die Heizung aus, was an sich ganz gut geht, so eine Frostbeule bin ich nicht, aber über Wochen diese 10, 11, 12 Grad … Um so lieber erinnere ich mich daran, wie ich bei Euch auf dem Bullerofen saß – herrlich! Aber jetzt kommt der Frühling, mit Ostwind.)

  3. In der Pause ging mir noch durch den Kopf, bei welchen Gelegenheiten ich früh aufstehen musste.

    Ditte fiel mir ein, und es waren eigentlich gute Anlässe: Wallfahrt nach Boxmeer, Treffen an der Gnadenkapelle um – hmm, war es 3.30 Uhr? Zeitungsaustragen an der Pazifikküste, Anfang um 3.00 Uhr. Aufstieg zum Aletschhorn: Antreten mit Reepschnur und Spikes um 1.30 Uhr – wurde dann aber abgeblasen, weil eine Schlechtwetterfront nahte. Dann war da noch die ein oder andere lohnenswerte Oscar-Nacht, eingebettet (haha) in Ein-zwei-Stunden-Nickerchen. In früheren Jahren, angesteckt vom enthusiastischen großen Bruder, war Aufwecken mitten in der Nacht zum Appollo 11-Gucken und für den Fight mit Cassius Clay. Ansonsten ist 4.00 Uhr die Zeit, wo ich gerne im Tiefschlaf verweile.

    Wie steht’s bei den anderen Gästen dieser Seite?

  4. Wallfahrt nach Boxmeer, 3.30 Uhr, das kommt hin. Was das Zeitungsaustragen betrifft: zu schade, dass Du Dich nicht erinnerst, wie die internen Bezeichnungen lauteten für die Leute, die die Zeitung hinter die Türklinke geklemmt haben wollten, oder durch den Briefschlitz geschoben, oder auf die Fußmatte gelegt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s