Maloche (1)

Ich habe überlegt, was mir letztes Jahr nützlich war, und kaufte eine Flasche Wasser (ich kann sie dann mit Leitungswasser auffüllen), eine Packung Doppelkekse und Margarine. Maria hatte ich schon vorab per Essemmess mitgeteilt, dass ich wiederkommen würde, Maria, die immer blinzelt, weil ihr die Wimpern doppelt wachsen. Sie antwortete: „Super, nur ich hab zur Zeit ein Problem. Meine Chaufeuse ist in Lüll angef.”
Als ich um Viertel vor fünf das Haus verließ, klappten die Bewegungsmelder des Altenheims „Regina Pacis” ihre Lichter aus, ich stieg aufs Rad und fuhr die übliche Strecke: Friedenstraße – Basilikastraße – Marienstraße – Bahnstraße – Gelderner Straße – Alte Heerstraße – Gelderner Straße – Südstraße – Walbecker Straße. Ich nahm die Zeit ab, am Anfang der Südstraße war es zehn vor, am Ende der Südstraße fünf vor, am Kreisel in Lüllingen fünf nach, ungefähr. Auf der Mitte der Südstraße sagte ich laut „Ah!”, als mir einfiel, dass ich die Zigarillos vergessen hatte.
Helmut kam auch mit dem Rad, einige Minuten nach mir, er fand die Zeit, „Guten Morgen” zu wünschen, brachte umständlich sein Fahrrad im Fahrradständer unter und steckte sich eine Zigarette an.
Im Kabuff des Nachtwächters brannte eine Lampe.
Mein Ohrwurm von gestern, „Closer” von Tegan & Sara, wurde abgelöst durch Superpunks „Neue Zähne für meinen Bruder und mich” („Ich habe keinen Hass auf die Reichen, / ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen”).
Die Fahrt zur Arbeit ist nun privat organisiert, letztes Jahr wurden noch Busse eingesetzt, aber Patti und der maulige Kurt fahren inzwischen andere Strecken. Heinz saß am Steuer, auf dem Beifahrersitz Harry, Helmut auf der Rückbank rechts, ich daneben. Nächste Woche gebe ich Heinz Spritgeld, die anderen geben ihm auch was.
Mamut kam mit dem Elektroschlepper wie in einem römischen Wagen und sagte mir, ich sei für diese Saison in Halle R eingeteilt. Als ich hinkam, stellte sich heraus, dass die Halle R erst um halb sieben zu arbeiten anfängt; sie macht dafür auch am spätesten Schluss, heute um halb eins. Es gab eine (unbezahlte) Frühstückspause von zwanzig vor acht bis acht Uhr, Gitta hatte Pappen besorgt, damit wir nicht so hart säßen.
Über dem Arbeitsplatz hängt ein Schild: „Achtung Kettenbahn / Let op kettingbaan / Attention infloor chain conveyer”, mit drei Gefahr signalisierenden Piktogrammen.
Nico kam mit dem Fahrrad, schüttelte mir smart die Hand, brachte mir einen Karton mit den Arbeitsschuhen, fragte mich nach meinem Geburtsdatum, später kam Udo.
In den großen Hallen gilt die Straßenverkehrsordnung.
Bevor ich heute früh aufgebrochen war, hatte ich mir als Leckerchen für den Nachmittag ein neues Buch hingelegt, Silbermann von Jacques de Lacretelle, aber als ich wiederkam, war ich erst mal hinüber, vielleicht wird’s jetzt was, ich mach mir mal Kaffee.

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Ein Kommentar zu “Maloche (1)

  1. … I woke up this morning, duuuuhm duuuhm

    – wenn dieses Stück Prosa nicht wie Blues daherkommt! Hoffentlich fällt Dir nach ein paar Tagen Maloche nicht der Griffel aus der Hand. Ich freu mich auf die Fortsetzung.

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